Festivalzeit, Hippies und Herpes!

262261_10150319177195390_4265143_nIm Herzen sind wir doch alle Hippies!
Wir treffen uns auf Wiesen, hören Musik, trinken und tanzen zusammen. Wenn der Sommer vor der Tür steht, dann blühen wir auf und spüren, noch mehr als sonst, die besondere Verbindung zwischen uns beim Feiern.

In keiner anderen Szene geht es so harmonisch zu wie bei uns in der Technoszene. Mit wenigen Ausnahmen kann man wirklich sagen: Wir sind die Neuzeithippies!

Auf Parties und Festivals teilen wir nicht nur die schönesten Momente miteinander, sondern auch alles andere.

Vor zwei Jahren war ich auf dem Love Family Park die Muddi für zwei verwahrloste Brüder aus Paris, die völlig unvorbereitet und von den Eindrücken erschlagen auf den heiligen Wiesen in der prallen Sonne tanzten.
Den Jüngeren hätte man, auf Grund seiner neu erworbenen Hautfarbe, leicht mit einem Engländer im Urlaub verwechseln können.
Meine Freunde und ich adoptierten die Franzosen und haben damit wohl mehr für die deutsch-französische Bindung getan als die Europäische Union.
Wir teilten unseren Schatten, das Wasser, Sonnenmilch und vor allem: Freude. Ein unvergesslicher Tag und eine der besten Aftern aller Zeiten.
Ich sage es gerne immer wieder: neben der Musik sind das Beste am Feiern die neuen Bekannschaften.

Ich spiele gern die Muddi. Ich sammle am laufenden Band irgendwelche überdosierten und verlorenen Druffis auf, versorge sie mit Wasser, leiste Seelsorge und suche ihre Freunde oder vermittle ihnen meine. Die Wahrscheinlichkeit, dass man seine Patienten auf einer anderen Party wiedersieht ist sehr hoch. Und manchmal ist das der Beginn einer guten Freundschaft.
Doch worauf ich eigentlich hinaus will, ist nicht ein Loblied auf unsere Generation der Techno-Anhänger, sondern die ärgerlichen Nebenwirkungen.

Da leiste ich nun einen erheblichen Beitrag zum allgemeinen Wohlbefinden auf Veranstaltungen, teile völlig selbstlos alles was ich habe und bin stets bemüht meinen Mitmenschen gegenüber offen zu sein.
Und wie wird mir das gedankt?
Wie wird es mir gedankt, dass ich mein mühsam abgefülltes Wasser mit dem halben Robert Johnson teile?
ICH KRIEGE HERPES!
Ernüchternd und wiederlich ist der Anblick im Spiegel, der die tollen Erinnerungen an ein langes Osterwochenende trübt.
Und so blühlen nicht nur die Knospen der Bäume in der Flühlingssonne auf, sondern auch meine Lippe.
Und weil ich zwar im Herzen ein Hippie, im Kopf aber abgrundtief böse bin, werde ich mir von diesem Souvenir nicht die langersehnte Nacht mit Marco Carola verderben lassen.
Ich schmiere mir einfach Glitter-Zovirax drauf und promote es dann als neuen Hipster-Trend.
Und dieses Mal habe ich mir vorgenommen mein Wasser, nein, nicht für mich zu behalten, sondern es erst recht zu teilen. AUS RACHE!
Also Leute, die Moral von der Geschicht: Möchtest du kein Herpes im Gesicht, dann teile dein scheiß Wasser nicht!

Am Ende noch ein bisschen Werbung in eigener Sache: Im Sommer werde ich eine Aufklärungskampagne zu diesem Thema starten. Ich drucke Flyer und Aufkleber und verteile sie auf Open-Air Festivals.
Fragt euch bei jedem Schluck aus einer fremden Flasche! – Weiß ich wessen Mundgulli diese Flasche gesudelt hat?

In diesem Sinne, guten Durst.

2016-11-10T16:29:39+00:00

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